Petition GEGEN die Gründung einer „Business School Saarland“ in Form einer Gesamthochschule und FÜR die Sicherung einer umfassenden akademischen Grundversorgung!

„Die Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Einrichtung einer „Business School Saarland“ ist ein Irrweg, den wir auf das Entschiedenste ablehnen. Er zerstört unsere Zukunftschancen und die des Saarlandes. Wir fordern deshalb energisch den Erhalt einer universitären Wirtschaftswissenschaft als Einheit der Universität des Saarlandes. Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage des Saarlandes sollen künftig drastische Sparmaßnahmen ergriffen werden. Erste Opfer dieser Politik sind augenscheinlich die saarländischen Hochschulen, insbesondere die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät! Wir sprechen uns gegen eine derartige „Verstümmelung“ des saarländischen Studienangebots aus und drängen darauf, dass bei Kürzungsvorhaben nicht bei der Bildung angesetzt wird!


Begründung:


Laut den Empfehlungen des Wissenschaftsrates soll an der Universität des Saarlandes sowie der Hochschule für Technik und Wirtschaft das Bildungsangebot weitläufig gekürzt werden. Dies bedeutet unter anderem, dass einzelne Fachrichtungen und gesamte Fakultäten geschlossen werden sollen, um die zukünftig fehlenden Mittel des Landes in Höhe von 100 Mio. € in den nächsten 10 Jahren zu kompensieren.

Vor allem die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, die mit 5.061 Studierenden die Größte der acht Fakultäten der UdS ist, wird maßgeblich durch die vorgeschlagenen Umstrukturierungen gefährdet. Einer generellen Veränderung stehen wir prinzipiell nicht entgegen, jedoch sind die vorgeschlagenen Maßnahmen zu einschneidend. Des Weiteren ist nicht gesichert, ob und in welcher Höhe diese Maßnahmen zu Einsparungen führen. Außerdem wird eine umfassende akademische Grundversorgung nicht mehr ermöglicht und nach unserer Auffassung das Hochschulleben im Saarland gefährdet.

So empfiehlt der Wissenschaftsrat die Bachelorstudiengänge der Wirtschaftswissenschaften einzustellen oder in eine neu zu gründende „Business School Saarland“ zu integrieren, Der wohlklingende englische Begriff umschreibt eine Gesamthochschule, ein gescheitertes Konzept der Vermischung von Uni und FH, das vor zehn Jahren abgeschafft wurde. Mit einer „echten“ Business School, wie z.B. der Business School der Universität Mannheim, hat dies gar nichts zu tun. Die Wirtschaftswissenschaft wird zum Opfer des Sparens und dies radikal. Die Business School Saarland ist der Einstieg in den Ausstieg aus der Saarbrücker Wirtschaftswissenschaft. Der gute Ruf unserer Wirtschaftswissenschaft wird mit einem Schlag vernichtet.

Eine Umstrukturierung dieser Studiengänge hat unter Umständen zur Folge, dass der Studienabschluss vergleichsweise abgewertet wird und die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt eingeschränken könnte. Unklar ist demnach auch, ob den Studierenden überhaupt die Möglichkeit gegeben wird einen Bachelorabschluss an der UdS zu machen, oder ob sich das Studienangebot im Bereich Wirtschaftswissenschaften auf den Masterstudiengang beschränken wird. Dies wirft weitere Fragen auf, so ist z. B. fraglich, ob Studierende außerhalb des Saarlandes Studienplätze erhalten. Auch Besonderheiten wie die Doppelqualifikation, bei welcher BWL- sowie Wirtschaft und Recht-Studenten zusätzlich die Möglichkeit einer Banklehre gegeben wird, die in enger Zusammenarbeit mit der Sparkasse Saarbrücken und der SaarLB angeboten wird, würde in Zukunft verloren gehen. Da derzeit eine enge Verzahnung zwischen Wirtschaftswissenschaften und Jura z. B. in Form des Studienganges Wirtschaft und Recht, aber auch studiengangsübergreifenden Vorlesungen besteht, haben Umstrukturierungen und Kürzungen in beiden Bereichen sehr weitreichende Folgen. Zudem sind diese Verzahnungen ökonomisch sinnvoll und effizient, da so Synergieeffekte genutzt werden können.

Des Weiteren sollen die Staatsexamensstudiengänge der Rechtswissenschaften - bis auf die Rechtsinformatik und das Europarecht - gänzlich aufgegeben werden. Als unmittelbare Folge würden zahlreiche Studenten das Saarland in Ermangelung ihres ursprünglichen Studienangebots verlassen. Da in einigen Rechtsbereichen für jedes Bundesland unterschiedliche Gesetze existieren, ist es kritisch zu sehen, dass das Saarland keine eigenen Staatsexamensstudiengänge mehr für Studierende anbietet und eben jene Rechtsbesonderheiten an Bedeutung verlieren würden. Zusätzlich wird das Saarland in Gänze die Fähigkeit verlieren seine eigene Judikative auszubilden.

Dieser Niveauverlust ist für die einzige Volluniversität des Saarlandes nicht tragbar!

Werden die Empfehlungen des Wissenschaftsrats so umgesetzt, wird das sowohl für ca. 9.000 aktuelle als auch alle zukünftigen Studierenden, welche nicht in den Bereichen Informatik, BioMed sowie in dem Bereich "Europa“-Studiengängen studieren möchten, bedeuten, dass sie gezwungen sein werden das Saarland zu verlassen. Diesbezüglich wären die beachtlichen wirtschaftlichen Veränderungen für die Region insbesondere in Anbetracht der demographischen Entwicklung bezeichnend.

Davon betroffen sind beispielsweise der Einzelhandel sowie Gastronomie und Kultur. Dies ist besonders gravierend, da das aktuelle Einkommen eines Studenten laut Spiegel auf knapp 9.500 Euro pro Jahr beziffert wird. Ein Wegfall dieser Kaufkraft in der vom Wissenschaftsrat angedachten Größenordnung wird die ansässigen Unternehmen - zusätzlich zu einem sich forcierenden Fachkräftemangel - stark schwächen und das Saarland als Unternehmensstandort dementsprechend unattraktiver machen.



Aufgrund der hier aufgezeigten Problematik, die mit den geplanten Umstrukturierungsmaßnahmen eintritt, setzen wir uns für den Erhalt einer umfassenden akademischen Grundversorgung im Saarland und damit gegen die Schließung von Fachrichtungen sowie Fakultäten ein!